Weitere Berichte über waffenhortende Nazis

Bei redok finden sich zwei weitere, bebilderte Berichte über die waffensammelnden Nazis aus dem Landkreis Rosenheim, die wir ebenfalls hier dokumentieren:

Rechte Gewalt / Neonazis
Razzia in Rosenheim: Waffenarsenal ausgehoben
redok
28.11.2006
Rosenheim. In einer seit Monaten vorbereiteten Aktion hat die Polizei im Raum Rosenheim heute ein umfangreiches Waffenarsenal ausgehoben. Zehn Neonazis zwischen 24 und 56 Jahren wurden festgenommen und mindestens 55 Pistolen, Gaswaffen, Karabiner und Maschinengewehre beschlagnahmt.

Seit 6 Uhr morgens hatten 370 Beamte 15 Wohn- und Bauernhofgebäude in den Landkreisen Rosenheim und Ebersberg durchsucht. Neben den Waffen wurde auch eine größere Menge Schwarzpulver sowie zahlreiche Helme, Hitlerbilder, SS-Uniformen und Hakenkreuzfahnen gefunden. Insbesondere in den landwirtschaftlichen Gebäuden waren die Durchsuchungen wegen der großen Zahl der Hof- und Nebengebäude schwierig.

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Beschlagnahmtes Neonazi-Waffenarsenal (Foto: LKA Bayern)

Die zuständige Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die Männer wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz. Geprüft wird noch, ob Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorliegen. Gegen vier der Festgenommen waren bereits vor der Razzia Haftbefehle erlassen worden, bei zwei weiteren prüft die Staatsanwaltschaft noch die Beantragung eines Haftbefehls.

Die Rechtsextremen sollen sich die Waffen vor allem durch Einbrüche in Privatwohnungen beschafft haben. Bei den Einbrüchen sollen die Tatverdächtigen arbeitsteilig vorgegangen sein. Mit den Waffen sollen sie auch gehandelt haben. Darüber hinaus hätten sie auch frei verkäufliche Waffen zu scharfen Waffen umgebaut. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Bayern hatten die Männer zwar Schießübungen veranstaltet, aber keine Anschläge geplant, sondern sich die Waffen als „Statussymbole“ zum Angeben in der rechten Szene beschafft.

Nach Angaben von Rosenheimer Anti-Rechts-Aktivisten hatte die Polizei bereits im Frühjahr 2005 bei Neonazis aus der Region zahlreiche Waffen sichergestellt. Dabei soll es sich um insgesamt sieben Gewehre, darunter drei scharfe Waffen, eine Pistole P8, dazugehörige Munition, eine Gaspistole, acht Messer und Bajonette, ein Totschläger, ein Schlagring sowie Hakenkreuzfahnen gehandelt haben.

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Andreas Stocker, einer der Tatverdächtigen auf NPD-Aufmarsch am 06.11.1999 in Rosenheim (Foto: A.I.D.A.)

Bei den heute Verhafteten handele es sich zum Teil um vorbestrafte Gewalttäter, so Michael Kurz vom Rosenheimer „Arbeitskreis Antifaschismus“. Die Gruppe präsentierte ein Foto von einem NPD-Aufmarsch in Rosenheim im November 1999, das Andreas Stocker zeigen soll, einen der Tatverdächtigen, dessen Wohnung in Rosenheim heute durchsucht worden sei.

Im April 2005 war im Raum Augsburg ebenfalls ein Waffenarsenal aufgeflogen. Die Polizei hatte Dutzende von Maschinen-, Sturm- und Repetiergewehren, tausende Schuss Munition und mehr als ein Kilo Sprengstoff gefunden. Drei Männer standen schließlich im Februar 2006 vor Gericht und mussten sich wegen illegalen Waffenhandels, unerlaubtem Waffenbesitz und Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verantworten. Die Männer, darunter ein Beamter bei der Ausländerbehörde des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen, wollten nur Waffen- und Uniformnarren mit „Sammlerleidenschaft“ gewesen sein, die dazu einen „Europäischen Darstellungsverein für Lebendige Geschichte“ (EDLG) organisiert hatten. Dieser Gruppe gehörten in der Region insgesamt 44 Männer an.

Dass zumindest einige der Männer auch nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Rechtsextreme waren, spielte vor Gericht keine Rolle. Nach Prozessabsprachen und Geständnissen bekam keiner der Angeklagten mehr als drei Jahre Haft.

Rechte Gewalt / Neonazis
Rosenheimer Familienbanden
redok
30.11.2006
München/Rosenheim. Gegen 15 Verdächtige wird mittlerweile von der Staatsanwaltschaft München I wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Verstößen nach dem Waffengesetz ermittelt. Mehr als 100 Waffen wurden bei den Durchsuchungen am Dienstag vor allem im Landkreis Rosenheim gefunden. Die Männer hatten eine rechtsextreme Gruppe aufgebaut und die Waffen insbesondere durch Einbruchsdiebstähle beschafft.

Für vier der Tatverdächtigen zwischen 24 und 26 Jahren waren bereits vor der Razzia Haftbefehle ausgestellt worden; sie wurden am frühen Dienstag morgen festgenommen. Vier weitere Beschuldigte zwischen 24 und 51 Jahren wurden gestern dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der auch diese vier in Haft nehmen ließ. Sieben der Festgenommenen wurden inzwischen auf freien Fuß gesetzt. Unter den Freigelassenen ist auch ein 62-jähriger, Vater eines der Hauptbeschuldigten, der für nicht haftfähig befunden wurde.

Die meisten der Festgenommen stammen aus kleinen Landwirtschaftsbetrieben. Die Lokalzeitung Oberbayerisches Volksblatt sprach von einem „rechtsextremistischen Familienclan“. Die 24- bis 26-jährigen unter den Festgenommenen wohnen zum Teil noch auf den elterlichen Höfen und kannten sich teilweise seit dem Kindesalter. Vier der Beschuldigten waren jeweils Vater und Sohn, die die Waffen unter Holzstapeln und in abgelegenen Scheunen versteckten, während der Rest der Familien von den Waffenlagern wusste. Einer der Väter (56 Jahre) gilt als Hauptbeschuldigter.

Insgesamt wurden 23 Wohnungen und Bauernhöfe vor allem bei Rosenheim sowie Gebäude in den Landkreisen Miesbach und Ebersberg durchsucht. In der Stadt Rosenheim wurde eine Wohnung durchsucht, im Landkreis Rosenheim Gebäude in den Gemeinden Prien, Rohrdorf und Samerberg. Bereits vor Monaten hatten die Behörden eine eigene Ermittlungsgruppe „Inntal“ gebildet.

Nach Medienberichten sollen die Tatverdächtigen eine „Wehrsportgruppe Wendelstein“ gegründet haben. Das LKA widersprach jedoch zunächst dieser Meldung. Zwar verträten alle Tatbeteiligten eindeutig die NS-Ideologie, Kontakte zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen und auch zu Parteien des rechten Spektrums seien aber nicht deutlich geworden.

Zumindest einer der Beschuldigten soll dagegen vor einigen Jahren laut Informationen von Rosenheimer Anti-Rechts-Aktivisten an Aktionen der NPD teilgenommen haben. Der Bayerische Rundfunk (BR) meldete, dass einige der Neonazis der Polizei in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Waffendelikten, aber auch wegen Hakenkreuzschmierereien und Zeigen des Hitlergrußes in der Rosenheimer Innenstadt aufgefallen seien.

Trotz des Widerspruchs durch das LKA berichtet der BR weiterhin über eine „Wehrsportgruppe Wendelstein“. In einem Radio-Interview auf Bayern 1 zeigte sich der Bürgermeister der Gemeinde Samerberg „überrascht“ von der massiven „Nacht- und Nebelaktion“ der Polizei; in dem Ort sei es „kein Geheimnis“ gewesen, dass die Männer „a bisserl Waffen dahoam“ hatten und „a bisserl im Wald rumgeballert“ hätten. Dass sich da eine „Neonazi-Szene herausbildet, vermutet keiner“, so der Bürgermeister, da würde wohl was „aufgebauscht“.

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„A bisserl im Wald rumgeballert“: Rosenheimer Waffenarsenal (Foto: LKA Bayern)

Bei den Durchsuchungen waren unter anderem auch Flak-Munition, Maschinengewehre und Maschinenpistolen gefunden worden, deren Besitz nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz in Deutschland verboten ist.

Erst im April 2005 hatte die Polizei ebenfalls im Landkreis Rosenberg bei einer Durchsuchungsaktion Waffen bei Rechtsextremen gefunden. Damals waren sechs Wohnungen in Rosenheim, Rohrdorf und Bad Feilnbach durchsucht worden. Bei sieben Männern zwischen 20 und 57 Jahren hatten die Beamten Kurz- und Langwaffen, dazugehörige Munition sowie nationalsozialistisches Propagandamaterial wie etwa Hakenkreuz-Fahnen und mehrere hundert CDs mit indiziertem Liedgut gefunden.

Dennoch waren die Festgenommenen nach Anzeigenaufnahme und erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Haftbefehle waren nicht erlassen worden, weil laut Polizei nichts darauf hindeutete, dass die Männer rechtsextremistischen Gruppen angehören. Die Lokalausgabe der Passauer Neue Presse hatte damals berichtet, dass sich die Ermittlungen „gegen polizeibekannte und bereits mehrfach wegen sogenannter ‚Propagandadelikte‘ in Erscheinung getretene Mitglieder einer rechtslastigen Szene in und um Rosenheim“ gerichtet hatten.

Auch bei jener Razzia im vorigen Jahr waren zwei Väter aufgefallen, die mit ihren damals 22 und 23 Jahre alten Söhnen an den Straftaten beteiligt waren. Bei einem damals 55-Jährigen aus Bad Feilnbach und einem 57-Jährigen aus Rosenheim waren wie bei den Söhnen Waffen und Propagandamaterial gefunden worden.

Die Razzia war erst einen Monat später, Mitte Mai 2005, bekannt gegegeben worden, als bei einer anderen Polizeiaktion 17 Objekte in Regensburg, Amberg, Kelheim und Ulm durchsucht worden waren. Im Visier der Ermittler hatten dabei 16 Männer gestanden, die Mitglieder der rechtsextremistischen „Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz“ gewesen sein sollen und denen schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Diebstahl und Sachbeschädigung vorgeworfen wurde. Gegen drei Rechtsextremisten aus Regensburg war im Zuge dieser Aktion Haftbefehl erlassen worden.