Briefe von Mahler

Aus der Ebersberger SZ vom 3. Januar:

Briefe aus der Zelle an Irans Präsidenten

Der Ebersberger Neonazi Horst Mahler schreibt an Ahmadinedschad und lobt die Tagung von Holocaust-Leugnern in Teheran

Ebersberg – Erst kürzlich hat der Rechtsextremist Horst Mahler seinen Wohnort in die Kreisstadt verlegt, um seine neunmonatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung nicht in Cottbus, sondern in der Justizvollzugsanstalt in Bernau am Chiemsee absitzen zu können. Jetzt droht ihm schon die nächste Zeit hinter Gittern.
Der Staatsanwaltschaft in Mannheim liegt nach Angaben des Magazins Stern eine Grußbotschaft Mahlers vor, die dieser anlässlich einer internationalen Konferenz von Holocaust-Leugnern in Teheran vor gut drei Wochen an den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad geschrieben haben soll. Laut Stern beglückwünscht das einst führende Mitglied der linksextremen Rote Armee Fraktion (RAF) darin den Präsidenten zu der Tagung, preist sie gar als „weltgeschichtliche Tat“. Mahler bestreitet angeblich erneut den millionenfachen Völkermord an den Juden Europas während der Nazidiktatur. Seinen Brief an Ahmadinedschad soll Mahler mit den Worten beendet haben: „Ihr Ihnen sehr ergebener Horst Mahler, in Geschäftsführung ohne Auftrag für das von jüdischen Vasallen vorübergehend handlungsunfähig gemachte Deutsche Reich“.
In Ebersberg haben, seit Mahler seinen ersten Wohnsitz von Berlin in die Kreisstadt verlegte, die Stadträte hinter verschlossenen Türen beraten, wie dieser Umstand zu bewerten ist. Die Parteien und Stadtratsfraktionen überlegen, wie man rechtsextremen Umtrieben begegnen kann.
Bei einer Ortsversammlung zeigten sich die Grünen besorgt über den Ruf Ebersbergs. Ortsvorsitzende Claudia Peter warnte davor, dass Ebersberg zum „Anziehungspunkt für Rechtsradikale“ werden könne. Seitdem überlegen die Grünen, wie dies mit „intelligenten Aktionen“ zu verhindern sei. Eine Wiederholung der Demonstration im Oktober gegen Mahlers Lebensgefährtin, die Ebersberger Neonazi-Anwältin Sylvia Stolz, oder eine weitere Aktion „Bunt Sstatt Braun“ im April 2005 erscheint den Ebersberger rünen als zu wenig nachhaltig.
Ihre Gedanken gehen deshalb in die Richtung, die nationalsozialistische Zeit im Landkreis und speziell in Ebersberg aufzuarbeiten. Durch die so wieder gewonnene Kenntnis hofft man ein Bewußtsein in der Bevölkerung zu schaffen sowie Sensibilität und „möglichst hohe Immunisierung gegen Rechts“. Eberhard Rienth